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Aktuelles aus dem Lektorat


Zeitschriftenlektorat und -schlussredaktion

Zeitschriftenlektorat und Schlussredaktion

In letzter Minute wurde noch eine Überschrift ausgetauscht: Und schon prangen „Modere Zeiten“ in großen Lettern über der Lifestyle-Reportage. Bei den Produktneuheiten wird mit „Posche Design“ geworben – und ein Anzeigenkunde wäre beinahe arg verprellt. Zum Glück steht am Ende jeder Zeitschriftenproduktion noch die Schlusskorrektur.

Die meisten Korrekturen sind weniger dramatisch, aber jedes Detail zählt: hier noch ein Zoll- anstelle eines Anführungszeichens, dort die Lammkeule, die nur ½ Stunde schmoren würde, weil eine 3 im Rezept verloren ging; hier zwei Texte mit zu ähnlicher Überschrift; dort die Kopfzeile, die zehnmal richtig ist, aber auf der letzten Seite doch aus dem Schinken einen Schniken macht. Manche Fehler schleichen sich erst spät im Produktionsprozess ein. Daher gilt: Eine gründliche Schlussredaktion ist unerlässlich!


Zeitschriftenlektorat und Redaktion
Es sind meist eher die kleinen Zeitschriftenverlage, die über die letzte Qualitätssicherung hinaus ein Stillektorat beauftragen. Dies ist beispielsweise notwendig, wenn Verlage auf Autoren zurückgreifen, die zwar Fachwissen, aber kaum journalistische Erfahrung mitbringen. Der spezialisierte Magazinmarkt kann Fachlektorinnen und -lektoren interessante Nischen bieten, wenn etwa ein IT-Magazin, eine Zeitschrift für Eisenbahner oder ein philosophisches Periodikum einen letzten fachkundigen Schliff benötigen. Einige Verlage übertragen auch die redaktionelle Verantwortung, dann gehören knackige Überschriften, Einleitungstexte, Bildunterschriften und Begriffserklärungen ebenfalls zum Aufgabenspektrum der freien Lektorinnen und Lektoren.

Der weitaus häufigere Auftrag in puncto Zeitschriften lautet aber: Übernehmen Sie bitte die Schlussredaktion. Gründe dafür sind vielfältig, ob die Schlussredaktion eines Kundenmagazins dauerhaft ausgelagert wird, Sonderausgaben einer Zeitschrift produziert werden oder durch Urlaub bzw. Krankheit ein Engpass entstanden ist, den Freie flexibel auffangen können.

Qualitätssicherung: die Schlussredaktion
Die Autoren haben ihre Texte abgeliefert, die Redaktion lässt die Artikel in das Zeitschriftenlayout einfließen und redigiert insbesondere hinsichtlich Verständlichkeit und Textlänge. Erst dann tritt die Schlussredakteurin oder der Schlussredakteur auf den Plan. Teilweise werden die letzten Korrekturen anhand von PDF-Dateien durchgeführt, häufiger direkt in Layoutdateien umgesetzt. Die Schlussredaktion ist deshalb das ideale Feld für alle, die den Umgang mit Schriften, Layoutprogrammen (meist InDesign, seltener QuarkXPress), ggf. Texteditoren (wie InCopy) oder Redaktionssystemen nicht scheuen und bereit sind, sich das notwendige Equipment anzuschaffen. Belohnt werden Investitionen in Ausstattung und Know-how mit kontinuierlichen Aufträgen und der damit verbundenen Sicherheit. Für Urlaubs- und Krankentage müssen Freie entsprechend gut vorsorgen, oft arbeiten sie im Team oder im Verbund größerer Redaktionsbüros.

Das Aufgabenspektrum in der Schlussredaktion
Die Schlussredaktion nimmt jeden Artikel inklusive aller grafischen und typografischen Elemente unter die Lupe. Geprüft werden:
  • Orthografie, Grammatik, Interpunktion, Silbentrennung
  • einheitliche Schreibungen und Formalia gemäß Verlagsrichtlinien
  • Faktencheck: Überprüfung von Namen, Webadressen, Daten etc., Plausibilität inhaltlicher Zusammenhänge
  • Umbrüche (korrekte und gut lesbare Silbentrennung, keine Hurenkinder, Schusterjungen, Fliegenschiss)
  • Absatz- und Zeichenformate, Typografie und Paginierung
  • Zuordnung von Text, Bild und Bildnachweis, Verweise
  • Ist die Zeitschrift ein Stück aus einem Guss? Gibt es zu starke Überschneidungen bei Überschriften, Fotos oder Inhalten?

Der Zeitschriftenmarkt ist temporeich und schnelllebig: Für ein zweiwöchig erscheinendes Fachmagazin, das in wenigen Tagen produziert wird, müssen die sukzessive eintreffenden Dateien unverzüglich bearbeitet werden. Bei einem zweimal im Jahr erscheinenden Lifestylemagazin ist die Produktion weniger hektisch, aber auch hier treffen Last-Minute-Dateien ein. Ein effizienter Workflow ist daher das Argument, mit dem externe Schlussredakteurinnen und Schlussredakteure punkten können – erst recht seit Titelflut, sinkende Werbeeinnahmen und digitale Konkurrenz Verlagen das Leben schwer machen.

Mehr zum Leitfaden freies Lektorat lesen Sie unter: www.vfll.de/leitfaden/

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